PINTO

Die Saat der Tränen


Eine Endlosschleife des Lebens



Klappentext


Eine Herausforderung

Wenn ein verstorbener Sohn seiner Familie Briefe schreiben könnte, was würde darin stehen?

 

Mit fünf Jahren ist Thomas in ein Auto gelaufen. Davids Familie versucht seitdem damit zurecht zu kommen, dass er nicht mehr bei ihnen ist. Jeder hat eine Strategie entwickelt, um ohne ihn weiterzuleben. Doch als die Familie ein erneuter Schicksalsschlag trifft, holt sie alle die Vergangenheit wieder ein. Trotzdem David selbst Therapeut ist, kommt er an seine Grenzen.

Im zweiten Plan wirft die Geschichte einen Blick hinter die Kulissen der Vergangenheit von Vater David und Tochter Ellena. Wir werden fünf Jahre zurückversetzt in eine Zeit, die ihre Familie auf eine harte Probe stellt und wir bekommen einen Einblick in das, was sie geprägt hat.


Um was geht's?


Themen der Geschichte

 

Sich alten Themen zu stellen ist keine kleine Herausforderung. Lieber bleibt man in seinem alten Sumpf sitzen, als sich dieser zu stellen, auch wenn es hinterher besser ist.

 

Krankheit trifft uns oftmals dann, wenn wir uns im Leben verlaufen haben und in einer Sackgasse gelandet sind. Dann heißt es aufstehen und einen neuen Weg einschlagen

 

Ein neues Denken bringt neue Möglichkeiten. Wenn man immer das selbe tut, kann man auf kein anderes Ergebnis hoffen als das, welches einen in die Sackgasse manövriert hat. Ausweg ist auch hier einen unkonventionellen Denkweise.


Zitat


Saat der Tränen

 

 

 

Es gibt Zeiten, die sind alles andere als schön und doch sind sie wichtig in unserem Leben, weil sie uns auf der Lebensleiter eine weitere Sprosse nach oben steigen lassen, wir daran wachsen und gestärkt weiter durchs Leben gehen.

 

Manchmal sind deshalb die Tränen wichtig, weil sie die Saat sind, aus denen etwas Neues wachsen kann, wenn sie auf einen fruchtbaren Boden fallen.


Schnipsel


Die Sicht von Thomas - Mein Papa ist ein cooler

Meiner ist nicht wie jeder

Er ist schon ein wenig verrückt

Trägt Fransen an einer Jacke aus Leder

Sein Kopf ist mit langen Locken bestückt

 

Es gäbe mir den Rest

Mit ihm Cowboy zu spielen

Das wäre ein wahnsinniges Fest

Statt Banken überfallen wir Eisdielen

 

Die Stiefel dazu hat er schon an

Ein Stern ziert sein markantes Ohr

Damit er auch am Hals für mich cool sein kann

Schlage ich einen Zahn vom Haifisch vor

 

Außerdem braucht er einen Pferdeschwanz

Und ein breites Lederband am Arm

So gehen wir zum Indianertanz

Halten uns mit Fellen am Lagerfeuer warm


Schnipsel


Auch wenn ihr mich nicht seht

Bin ich doch immer hier

Möchte wissen, wie es euch geht

Bin immer ganz nah bei dir, und dir, und dir.

 

Ich drück euch ganz lieb!

 

THOMAS


Der 15. des Monats - Wenn Verweigerung dich bewegungsunfähig macht


 

„Nein, ich gehe nicht mit!“ Lydias Augen funkeln ihren Mann finster an.

David hat sie vom Workshop abgeholt und ihre aufgelöste Stimmung sofort bemerkt. „Ich möchte auf jeden Fall noch kurz zu Thomas Grab schauen.“

 

Der VW-Bus quält sich durch den dichten Verkehr der Stadt Ludwigsburg. „Meinst du nicht, dass es dir auch guttun würde? Wir haben nun mal seit fünf Jahren diesen 15. des Monats. Ihn totzuschweigen macht es doch auch nicht besser.“

Ihre Augen verengen sich. „Nur weil du mit deinen Klienten in der Rehaklinik den ganzen Tag lang quasselst, muss ich nicht auch noch deine Weisheiten annehmen. Lass mich doch einfach in Ruhe.“

 

Als ihr Wortgefecht dafür sorgt, dass sich seine Magengegend unwohl anfühlt, könnte er sich dafür ohrfeigen, dass er die Hoffnung nie aufgegeben hat. Immer noch denkt er, Lydia würde es irgendwann doch schaffen, ihre Trauer zu überwinden.

„Du kannst ja auch nur mit zum Brunnen gehen und dir das Grab aus der Ferne anschauen. Es sieht jetzt richtig schön aus. Vielleicht tut es dir ja gut, das zu sehen. Das Leben ist weitergegangen. Und Thomas würde nicht wollen, dass wir in unserem Leid ersticken“, sagt er. Es gelingt ihm nicht ganz, den bitteren Unterton aus seiner Stimme zu unterdrücken.

 

Als er den Bus um die Kurve und in Richtung Friedhof lenkt, ist das letzte Fünkchen Hoffnung endgültig erloschen. Als sie zum Stehen kommen, schaut er wortlos zu ihr hinüber. Lydia bewegt sich nicht, starrt ins Leere. „Was macht das schon, ob es schön ist oder nicht. Das macht Thomas auch nicht wieder lebendig.“

„Aber irgendwann musst du doch akzeptieren, dass er nicht mehr zurückkommt.“ David ist es leid, immer um den heißen Brei herumzureden. Er sieht, dass sie all den Schmerz nur verdrängt und sich damit die Chance verbaut, ihre Wunde zu heilen. Es macht ihn wütend, dass sie sich so querstellt und ihm auch die Möglichkeit nimmt, sie zu unterstützen. Sie schlägt damit eine tiefe Schneise in ihre Beziehung und lässt es nicht zu, dass er ihr nahe ist.